Sonntag, 13.06.2021 21:36 Uhr

Arabische Geburtenrate Israel im ständigen Sinkflug

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 20.04.2021, 11:28 Uhr
Presse-Ressort von: Ronaldo Goldberger Bericht 5018x gelesen

Jerusalem [ENA] Aus politischen Gründen warnten politische Auguren in Israel vielfach, der Staat müsse sich intern auf politische und punkto Judäa und Samaria auf territoriale Kompromisse einstellen, da sonst das demographische Gefüge arg auseinander gerate. Doch die Unkenrufe vom wachsenden arabischen Anteil, der die jüdische Dominanz eines Tages unterhöhlen könnte, verfängt nicht mehr.

Gemäss dem Zentralen Statistischen Amt sinkt die Fruchtbarkeit arabischer Frauen dauernd. Die letzten verfügbaren Zahlen beziehen sich auf 2019. Erstmal sank die durchschnittliche Fruchtbarkeitsrate bei den Araberinnen auf unter 3 (exakt: 2,98 Geburten). Dieser Sinkflug ist äusserst bemerkenswert, wenn man sich die Daten vor drei Generationen zu Gemüte führt: 1965 gebar eine arabische Frau im Schnitt 9,87 Kinder, 2005 waren es deren 4,03, im Jahre 2010 nur noch 3,75. Den höchsten Wert erzielt eine muslimische Frau, die im Schnitt 3,16 Kinder zur Welt bringt, wohingegen eine Christin bloss deren 1,76 und eine drusische Mutter 2,02.

Auch im jüdischen Sektor ergaben sich markante Verschiebungen: die hohe Geburtenrate unter der ultraorthodoxen Bevölkerung wird geringfügiger, wohingegen der säkular orientierte Bevölkerungsteil markant zugelegt. Eine jüdische Israelin gebiert im Schnitt 3,09 Kinder. Das Statistische Amt macht allerdings einen Salat in den Berechnungsgrundlagen der diversen Bevölkerungsanteile: es unterscheidet zwischen den vom staatlichen Rabbinat gemäss religionsbezogener Kriterien anerkannten Juden und sortiert rund 5% der ständigen Bevölkerung aus. Bei ihnen handelt es sich primär um Einwanderer aus der vormaligen Sowjetunion, die zu einem bedeutenden Teil „Vaterjuden“ sind.

Im Judentum gilt als Jude, wer von einer jüdischen Mutter oder von einer halachisch (=religionsgesetzlich) konform Übergetretenen abstammt. In der Sowjetunion, wo während über 70 Jahren die jüdische Religion wegen der atheistischen Doktrin verboten und unterdrückt war, gab es fast nur noch Mischehen. Das israelische Rabbinat hält sich an die Vorgaben, die für eine Konversion ins Judentum erforderlich sind. Es gibt keinen wie auch immer gearteten "Nachlass" für die breite Masse - etwa eine kollektive Einführung ins Judentum unter weichen Bedingungen, die auf die Einhaltung der Religionsregeln im Alltag verzichten resp. einzig auf eine rituelle Beschneidung bei den Männern bzw. rituelles Eintauchen ins Tauchbad bei den Frauen beharren.

Statistische Retuschen

Unter diesen Prämissen besehen, stiege der offiziell mit 6,894 Mio. Juden angegebene Bevölkerungsanteil bei einem total von 9,327 Mio. Einwohnern von 73,9% auf 78,91% (somit 7,36 Mio. dem Judentum zugeordnete Personen). Die Araber werden eigenartigerweise statistisch als „Gesamtnation“ zusammengewürfelt, obschon sie in div. Religionen aufgegliedert sind: in Muslime, Christen, aus dem Kaukasus stammende Tscherkessen, Armenier, Drusen, Aramäer, Alawiten. Hinzu gezählt werden die Araber Ostjerusalems, die zwar häufig die israelische Identitätskarte besitzen, aber praktisch alle nach wie vor jordanische Staatsbürger sind. (Jordanien besetzte von 1948-1967 widerrechtlich das sogenannte Westjordanland, einschliesslich des Ostteils Jerusalems.)

Insofern muss man die am Vorabend des 73. israelischen Unabhängigkeitstags ermittelten Daten neu lesen: sämtliche nichtjüdischen Völkerschaften Israels summieren sich auf nicht mehr als 21,08% - was einem Wachstum von 0,2% in den letzten drei Jahren entspricht -, wovon der moslemische Anteil lediglich 14% beträgt. Die religionsgesetzlich nicht ganz lupenreinen, aber von der nationalen Auffächerung her korrekten Bevölkerungsanteile ergäben somit eine satte jüdische Mehrheit im Verhältnis von vier zu eins.

Da die arabische Bevölkerung massiv altert, und eine ziemlich grosse Einwanderungswelle in Israel erwartet wird, dürften, entgegen der darüber nicht ganz so erbauten internationalistischen Befürworter eines um seinen jüdischen Aspekt zu entledigenden Israels, die statistischen Verhältnisse bzw. die jüdische Vormachtstellung stabil bleiben. Besagte Verhältnisse begünstigen, im Schulterschluss mit dem unverwechselbar optimistischen Gedankengut des politischen Zionismus, à la longue die hoffnungsvolle Vision eines jüdischen Staatswesens, das kein Fliegengewicht ist wie seinerzeit das 1928 im hintersten Sibirien, nahe der chinesischen Grenze mit Billigung Stalins eingerichtete jüdische Autonomiegebiet Birbobidschan (169 km²).

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.