Dienstag, 05.07.2022 15:35 Uhr

Berns Nichtentscheidung für die Freiheit

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Friedrichshafen, 06.03.2022, 20:26 Uhr
Presse-Ressort von: Ronaldo Goldberger Bericht 5250x gelesen

Friedrichshafen [ENA] Man kann sie drehen und wenden, doch mit der Freiheit ist nicht zu spassen. Sie lässt Grenzen nur zu, wenn man sie auskostet bzw. bis zur Tragfähigkeit ausreizt. In Bern jedoch begnügt man sich mit kontrolliertem Schleifenlassen der Zügel. Freiheit ohne Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln dürfte eher nicht dazu gehören, denn man wäre buchstäblich zügellos unterwegs ins Ungewisse.

Wenn man einen Fuss im Gestrüpp von Notverordnungen, die ohne demokratische Meinungsbildung erlassen worden sind, zu belassen sich bemüssigt fühlt, meint man es nicht wirklich ernst mit der Freiheit. Man mutet dem früheren Souverän, der zu einem Schatten seiner selbst verkommen ist und bereits Patina angesetzt hat, schlichtweg nicht zu, dass er sein Leben eigenständig zu ordnen versteht.

Zwei Jahre lang haben wir uns leidlich daran gewöhnt, Höllenritt-Entscheidungen des Bundesrates bar jeglicher Vernunftslinie demutvoll mitzutragen. Der Vorwände waren zahlreiche: Solidarität, Gesundheit, internationale Koordination, Kapazitätsgrenzen in den Spitälern. Die Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft, für die seelische Verfassung ganzer Bevölkerungsteile entpuppten sich als desaströs. Nun also sind wir am Ende eines Prozess, der ihn unterm Deckmäntelchen der „Entlassung in die Freiheit“ veredeln soll. Dies von ebendenselben stoffverhüllten Gesellen im Bundeshaus, die uns das Schlamassel eingebrockt haben, die Gesellschaft gespaltet sowie das Vertrauen in die Rechtschaffenheit politischer Entscheide endgültig zerbrochen haben.

Der Schweiz wäre es zu vergönnen, ein einziges Mal zumindest in der künstlich aufgeblähten Covid-Krise, mit klarem Wein in eine selbstbestimmte Zukunft entlassen zu werden. Doch der Souverän macht bloss halbherzig mit. Er hat die Verantwortung über sein Schicksal ziemlich delegiert, und ist unterdessen ordentlich folgsam unterwegs. So untertänig mitunter, dass man meint, die demokratischen Brosamen unterm Tisch auflesen zu müssen, damit noch ein paar Erinnerungsstücke für die zukünftige Geschichtswissenschaft erhalten bleiben.

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