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Russlands Juden verlassen das Land in Scharen

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Romanshorn, 20.12.2022, 08:53 Uhr
Presse-Ressort von: Ronaldo Goldberger Bericht 5364x gelesen

Romanshorn [ENA] 50’000 jüdische Auswanderer haben seit der Invasion der russischen Armee am 24. Februar 2022 gemäss Angaben des ehemaligen Oberrabbiners von Moskau, Pinchas Goldschmidt, ihren Wohnsitz verlassen, zumeist nach Israel. Weitere 60’000 wickeln derzeit ihre Auswanderungsgesuche ab. 200 russische Neuankömmlinge verzeichnen die israelischen Einwanderungsbehörden derzeit auf täglicher Basis.

Die Absetzbewegung ist nicht weiter verwunderlich, stehen doch auch jüdische Männer in Gefahr, zwangsrekrutiert zu werden als Kanonenfutter für die lange Militärfront in der Ukraine. Noch stehen die Grenzen offen, anders als in der Ukraine, wo Männer zwischen 18 und 60 Jahren per Dekret das Land nicht verlassen dürfen, um jederzeit in Uniform gesteckt zu werden. Nachdem die Armee inzwischen mehrheitlich aufgerieben worden ist, wissen die meisten, dass auch ihnen als Reservisten kein besseres Schicksal als der Tod blüht.

Wie die russischen Juden haben auch die ukrainischen sehr oft die Wanderung in ein neues ungewisses Schicksal angetreten, die meisten mit Blickrichtung Israel, wo dieses Jahr bereits über 14’000 Menschen eingetroffen sind. Auch die kompakte weissrussische jüdische Gemeinschaft zeigt Auflösungserscheinungen. Allein 2022 sind bereits 2000 Menschen in Israel eingetroffen. Zusammen mit Einwanderern aus anderen Kontinenten - aus den USA rund 3000, aus Frankreich etwa 2000, aus Äthiopien 1500 und weiteren Staaten wie Argentinien, wo die schwache Wirtschaft die Juden aus dem Land treibt - wird Israel dieses Jahr 75’000 Neueinwanderer willkommen heissen. Für nächstes Jahr werden 100’000 erwartet.

Die Rückkehr nach Zion ist keine legendenumwobene Saga mehr, sie findet vor aller Augen statt mit einer Stetigkeit, die überrascht. Bis kürzlich verzeichnete Israel einen jährlichen Wanderungsverlust von 5000 Einheimischen. Durchschnittlich 15’000 verliessen das Land, etwa 10’000 kehrten retour. Das Statistische Amt betrachtet jeden mehr als ein Jahr ausserhalb heimatlicher Gefilde Ansässigen als Auswanderer. In diesen turbulenten Zeiten kehren massenhaft auch israelische Staatsbürger, die ursprünglich aus der Ukraine oder Russland stammten, aber aus diversen Erwägungen wieder im angestammten Herkunftsland sich niederliessen, zurück in ihre Wahlheimat.

Der Wanderungsgewinn Israels bewirkt auch eine Veränderung der demographischen Proportionen zugunsten der jüdischen Mehrheit. Momentan sind 74% der Landbewohner (etwas über 7 Mio.) Juden, währenddessen die Zahl der arabischen Minderheit, mitsamt den Drusen, Tscherkessen und Christen, sich auf 21% eingependelt hat. Da die Geburtenrate jüdischer Frauen mit über 3 Kindern pro Familie unterdessen höher als die der arabischen ist, vermindert sich das schlagkräftige Haudegen-Argument der Befürworter einer totalen Entflechtung von Juden und Palästinensern zwischen Jordan und Mittelmeer.

Zwischenzeitlich ist erwiesen, dass die Anzahl der in Judäa und Samaria lebenden Araber massiv tiefer ist als diejenige, welche von den durch die palästinensischen Autonomiebehörden frisierten Statistiken geltend gemacht wird. Auf der Basis von „Tote leben länger“ werden Verstorbene weiterhin als lebend aufgeführt, die im juristisch zu Israel geschlagenen Ostjerusalem anwesenden arabischen Bewohner mit Wohnrecht in Israel werden doppelt aufgeführt, die mit israelischen Arabern sich vermählenden Palästinenser, die nach Israel umziehen, werden ebenfalls doppelt berechnet.

Zudem wird die stark gestiegene Abwanderung jüngerer Bewohner der Landstriche westlich des Jordans schlicht unterschlagen. Es gibt Ortschaften, in denen bloss ältere Semester wohnen. Die arabische Bevölkerung im Einzugsgebiet von Judäa und Samaria dürfte aktuell weniger als 1,5 Mio. Menschen umfassen. Die politisch-strategischen Kassandra-Rufe, wonach zwingend Land gegen Frieden abgetreten werden müsse, damit der jüdische Staat seinen ihm zugedachten Charakter bewahren könne, verhallen mehr und mehr.

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